Peter Pankratz, Sep. 2006
Bewegungsstruktur und biomechanische Prinzipien beim Speerwurf
Zeige die Bewegungsstruktur dieses Speerwurfs auf und erläutere die Funktionen der Teilphasen!
Der Speerwurf ist eine Kombination aus einem zyklischen (Anlauf) und azyklischen Teil. Der azyklische Bewegungsablauf gliedert sich in drei Phasen:
In der Vorbereitungsphase sollen die für die Hauptphase optimalen Voraussetzungen geschaffen werden. Dabei kommt es beim Speerwurf durch die Rücknahme des Wurfarms (Speerabnahme, Bilder 2-5) zu einer Ausholbewegung, die der Wurfrichtung entgegengesetzt ist. Dadurch kommt es zu einer Verlängerung und Optimierung des Beschleunigungsweges. Darüber hinaus sind der Impulsschritt (Bilder 5-7) mit dem folgenden Aufbau einer Bogenspannung und der Verwringung in der Rumpfmuskulatur (Wurfauslage, Bilder 7-8), wobei die am Wurf beteiligte Brust-, Schulter- und Armmuskulatur vorgedehnt wird, weitere entscheidende Voraussetzungen für die Hauptphase.
In der Hauptphase wird das eigentliche Bewegungsziel (Abwurf, Bilder 8-10) vollzogen. Die Ausholbewegung wird abgebremst und es kommt zu einem fließenden Übergang zur Bewegung in die eigentliche Wurfbewegung und damit zu einer erhöhten Anfangskraft zum Wurfbeginn. In der Folge lösen sich Bogenspannung und Verwringung auf; es kommt zu einer Impulsübertragung von den Beinen über den Rumpf und den Wurfarm auf den Speer. Die Beschleunigung der Wurfhand ist der letzte Teil in der kinematische Kette.
In der Endphase (kein Bild dazu) erfolgt ein aktives Abfangen der Anlauf- und Wurfbewegung (meistens durch eine sprunghaften Schritt, der verhindern soll, dass die Abwurflinie berührt wird).
Erläutere die für die Bewegungsausführung leistungsbestimmenden biomechanischen Prinzipien!
Beim Speerwurf sind drei biomechanische Prinzipien leistungsbestimmend:
Prinzip der maximalen Anfangskraft
Um eine möglichst hohe Endgeschwindigkeit zu erreichen, ist es erforderlich, auf Wurfgeräte/Körper am Anfang des Beschleunigungsvorgangs eine möglichst große Kraft einwirken zu lassen. Dies lässt sich nur durch Ausholbewegungen erreichen.
Bei der Ausholbewegung entstehen vor dem Abwurf negative Kraftstöße. Die Ausholbewegung muss durch positiv wirkende Kräfte abgebremst werden, wobei im „Idealfall“ die Größe des Bremskraftstoßes genau der des negativen Kraftstoßes entspricht. Da aber in der Folge die Bewegung nach Beendigung des Bremskraftstoßes nicht abgebrochen wird, sondern unmittelbar in die eigentliche Wurfbewegung, den Beschleunigungskraftstoß, übergeht, beginnt die Abwurfbewegung auf einem höheren Ausgangsniveau. Der Bremskraftstoß addiert sich demnach zum Kraftstoß der Wurfbewegung, wodurch die maximale Anfangskraft vergrößert wird.
Prinzip des optimalen Beschleunigungswegs
Eine konstante Kraft gibt einer Masse eine Endgeschwindigkeit, die umso größer ist, je länger die Kraft auf die Masse einwirkt. Die Länge des Beschleunigungswegs ist demnach ein entscheidendes Kriterium. Aber auch die Form des Beschleunigungswegs ist von Bedeutung. Ein geradliniger oder stetig gekrümmter Beschleunigungsweg ist am zweckmäßigsten, während wellenförmige Verläufe für die Endgeschwindigkeit ungünstig sind. Durch Zurückführen des Wurfarms wird der Beschleunigungsweg in der Länge optimiert. Bei der anschließenden, möglichst geradlinigen Abwurfbewegung kann der Speer länger beschleunigt werden, woraus eine höhere Endgeschwindigkeit resultiert.
Prinzip der Koordination von Teilimpulsen
Um eine hohen Endgeschwindigkeit eines Körperteils (Schlagbewegung der Abwurfhand) zu erreichen ist es erforderlich, dass die einzelnen Teilbewegungen zeitliche, räumlich und hinsichtlich des Krafteinsatzes (dynamisch) optimal aufeinander abgestimmt sind. Beim Speerwurf ist die zeitliche Verschiebung der Teilbewegungen, also die nacheinander ablaufenden Teilbewegungen (sukzessive Koppelung), charakteristisch. Die Wurfbewegung beginnt mit dem Anlauf und der Rückführung des Speers, Einsatz des Rumpfes durch die Einnahme der Bogenspannung (schnelles Vordrücken, beginnend mit der Streckung des hinteren Beins über Hüfte und Brust gegen das vordere Bein), setzte sich in den Schultergürtel fort und nimmt ihren weiteren Verlauf über Ober-, Unterarm, Hand und Finger. Durch die zeitliche Verschiebung der Teilbewegungen ist es möglich, die nachfolgend eingesetzten Muskelgruppen jeweils vorzudehnen. Jeder Teilimpuls addiert sich auf und trägt zur Vergrößerung der Endgeschwindigkeit bei. Dies setzt aber voraus, dass die einzelnen Teilphasen ohne zeitliche Verzögerungen ineinander übergehen (Bewegungsfluss).