Gesundheitstraining

Peter Pankratz, Januar 2005

 

 

Was versteht man unter Gesundheit? Was versteht man unter Fitness?

 

Begriffsbestimmung

 

Es gibt keine allgemein gültige Definition der Begriffe Gesundheit und Fitness:

 

„Fitness“ in seiner umfassendsten Definition ist, wenn es sich um die „gesundheitsorientierte Fitness“ handelt, mit der Definition der WHO gleichzusetzen (beide Begriffe sind somit synonym).

Es gibt darüber hinaus viele „Fitness: - Konzepte – Bewegungen - Bezüge“ so z.B. die „sportartbezogene Fitness“ (Kraftsportler haben eine speziell auf die Kraft bezogene Fitness, während z.B. die Ausdauerleistungsfähigkeit kaum ausgebildet ist).

 

 

Welche Beziehung gibt es zwischen Gesundheit und Sport?

 

Prinzipiell gilt:

 

Weswegen ist es sinnvoll ein Gesundheitstraining zu machen?

 

In den „hochindustrialisierten“ Nationen nahm innerhalb von nur 100 Jahren der Anteil der durch körperliche Aktivitäten bereitgestellten Energie von 90 % auf unter 1 % ab! Dieser rasante Abfall an physischer Tätigkeit blieb für die Menschen nicht ohne Folgen. Von seiner Evolution her ist der Mensch nämlich ein „Lauftier“ und kein chronischer „Stubenhocker“ mit überwiegender „Kopfarbeit“. Noch in der Steinzeit legten Jäger und Sammler etwa 20-40 km täglich zurück! Heutzutage ist die Lauf-, Gehleistung auf knapp 2 km geschrumpft. In der Geschichte der Menschheit ist diese völlige Veränderung des Bewegungsverhaltens – in so kurzer Zeit – einmalig. Die Folgen sind eine Vielzahl von „Bewegungsmangelerkrankungen“. Als Negativverstärker kommen hinzu:

 

Fazit: Der Bewegungsmangel ist in den „hochindustrialisierten“ Nationen stark verbreitet. Viele sportmedizinische Forschungsergebnisse zeigen auf, dass die Bewegung für die „Gesunderhaltung“ eine zentrale Rolle spielt. Jedes Organ ist nämlich nur so leistungsfähig, wie es dem Grad seiner Beanspruchung entspricht.

 

 

Wie äußert sich Bewegungsmangel?

 

Körperliches Aktivitäten und keine körperlichen Aktivitäten haben einen entscheidenden Einfluss auf Form und Funktion des Körpers und zwar im größeren Ausmaß als das Alter (Jokl).

Diese Erkenntnis beinhaltet die grundlegendste Gesetzmäßigkeit der Natur, die „Anpassung“ (Adaptation). Es ist die Fähigkeit sich an die verschiedenen Umweltbedingungen (Reize) anzupassen (Evolution).

 

Die organische Form bestimmt die Funktion. Die Funktion ihrerseits entwickelt und formt das Organ (Roux, 1895).

 

Ohne dieses funktionelle Wirkungsgefüge wäre es dem menschlichen Organismus nicht möglich, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Anpassungen sind umkehrbar und müssen ständig neu erworben werden (Beispiel: „Gipsverband“, verändert sich die Form... verändert sich auch die Funktionstüchtigkeit).

Mangelnde oder fehlende Belastungen/Trainingsreize lassen den Organismus (einzelne Organe) „verkümmern“. Dabei wirkt sich ein Belastungs- bzw. Funktionsverlust eines Organs fast immer auch auf den gesamten Organismus aus (wenn mehr als 1/6 der Skelettmuskulatur dadurch betroffen ist). Von daher sind auch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den westlichen Nationen die mit Abstand häufigsten Krankheitsbilder.

Die mangelnde physische Leistungsfähigkeit geht oft einher mit der nicht mehr zu bewältigenden psychischen Belastung (Disstress: vermehrte Ausschüttung von Katecholaminen = Stresshormone, die nicht benötigt und somit auch nicht abgebaut werden können), was langfristig zu ungünstigen Gefäßveränderungen (sog. Arteriosklerose) führt. Die Folgen sind Herzinfarkt und Schlaganfall. Jeder zweite Bundesbürger stirbt daran!

 

Darüber hinaus gibt es noch in folgenden Bereichen Bewegungsmangelerkrankungen:

 

Was kann man dagegen tun?

 

Die Struktur und Leistungsfähigkeit eines Organs wird einerseits vom Erbgut, andererseits von der Qualität und Quantität seiner Beanspruchung bestimmt. Nach heutigen Erkenntnissen bestimmt das Erbgut ca. 50-70% der Leistungsfähigkeit, so dass 50-30% äußeren Einflüssen vorbehalten sind.

Für die Entwicklung und Erhaltung der organischen Leistungsfähigkeit sind sog. überschwellige Reize nötig (siehe Trainingsprinzipien). Bleiben diese Reize über einen längeren Zeitraum aus, so entstehen Leistungseinbußen. In manchen Fällen tritt sogar ein Verlust an funktionstüchtigen Gewebe ein (Degeneration).

Eine umfassend und vielseitige aktivierte Muskulatur ist also die Grundvoraussetzung für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit aller Organsysteme des Menschen im Sinne einer allgemein gesteigerten Vitalität.

Da die Entstehungsursachen der sog. Bewegungsmangelerkrankungen (Zivilisationskrankheiten) aus einer einzigen „Quelle“, nämlich fehlender Bewegung, gespeist wird, kann als geeignetes Gegenmittel nur mehr Bewegung empfohlen werden.

Hierbei muss darauf hingewiesen werden, dass sich Bewegungsmangelerkrankungen in vielfältiger Weise zeigen können. Sie betreffen auch ganz unterschiedliche Organe. Folglich kann eine „einseitige“ körperliche Belastung nicht alle Bewegungsdefizite beseitigen.

 

 

Von daher stellt sich die Frage, welche Bewegungsaktivitäten sich im besonderem Maße zur Prävention eignen?

 

Die meisten sportmedizinischen Forschungen auf dem Gebiet des Gesundheitstrainings haben sich mit den Auswirkungen der motorischen Fähigkeiten (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Flexibilität, Koordination) auf das Organsystem beschäftigt. Übereinstimmend kamen die Autoren zu folgenden Ergebnissen:

 

Was ist grundsätzlich bei einem Gesundheitstraining (allgemeinen Fitnesstraining) zu beachten?

 

Der Begriff „Training“ ist allgemein als ein Übungsprozess zu verstehen, der planmäßig und gezielt versucht, die Verbesserung eines Zustandes (physische, psychische, intellektuell technisch-taktische etc.) zu erreichen.

Im Gesundheitssport geht es ebenfalls um eine planmäßige und gezielte Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit aber nicht wie im Hochleistungssport um das Erreichen der individuellen Höchstleistung.

Auf Trainingsprozesse wirken unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten (z.B. biologische, psychologische etc.) ein. Die Kenntnis dieser Gesetzmäßigkeiten, Grundsätze, Trainingsprinzipien sind ganz entscheidend für die Effektivität des Trainings. Bei der Anwendung dieser Trainingsprinzipien muss man beachten, dass sie nicht isoliert nebeneinander stehen, sondern aufgrund ihrer unlösbaren Zusammenhänge komplex betrachtet und in ihrer Gesamtheit beherrscht werden müssen. Sie beeinflussen und ergänzen sich gegenseitig.

 

Für den Gesundheitssport wären folgende Prinzipien der Trainingsgestaltung von Bedeutung: