Peter Pankratz, September 2003
Begriffsbestimmung:
Im Sport ist Schnelligkeit die Fähigkeit, auf einen Reiz/Signal in kürzester Zeit zu reagieren und zyklische/azyklische Bewegungen bei unterschiedlichen Widerständen mit höchster Geschwindigkeit auszuführen (vgl. Röthig, Sport-Lexikon).
Infolgedessen kann man in der Praxis Schnelligkeit unterteilen in:
- Reaktionsschnelligkeit
- Schnelligkeit zyklischer Bewegungen (Folge von motorischen Aktionen z.B. Sprint, Rudern, Schwimmen...)
- Schnelligkeit azyklischer Bewegungen (motorische Einzelaktion z.B. Kugelstoßen, Smash, Absprung...)
Im Zusammenhang mit unserem UV soll die zyklische Schnelligkeit (Lauf / Sprint), also die Fähigkeit sich mit höchstmöglicher Geschwindigkeit fortzubewegen, im Mittelpunkt stehen.
Die motorische Fähigkeit Schnelligkeit ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand anlagebedingt (Muskelfaserverteilung) und von daher nur in geringem Umfang trainierbar (100-m-Bestzeit kann durch entsprechendes Training um ca. 15-20% verbessert werden).
Schnelligkeitsbestimmende Faktoren:
- Reaktionsschnelligkeit
- Aktionsschnelligkeit (Beschleunigungsvermögen)
- Schnelligkeitsausdauer
Methoden und Inhalte zur Verbesserung der schnelligkeitsbestimmenden Merkmale:
Trainingsmethode für den Sprint ist die Wiederholungsmethode (bei der Schnelligkeits-ausdauer auch die intensive Intervallmethode) mit folgenden Belastungskomponenten:
- Belastungsintensität: submaximale und maximale Intensität (90-100%)
- Belastungsdichte: Pausenlänge muss eine optimale Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit gewähren (Pausen zwischen 3-6 min. ; ca. 100 Hf/min.)
- Belastungsdauer: ist so zu wählen, dass gegen Ende der Belastung die Geschwindigkeit infolge eintretender Ermüdung nicht abnimmt
- Belastungsumfang: 5-10 Wiederholungen pro Trainingseinheit
Training der Reaktionsschnelligkeit (im Zusammenhang mit dem Beschleunigungsvermögen):
- Start- und Reaktionsübungen aus verschiedenen Positionen
- S.o. mit verschiedenen Signalen (akustisch, taktil, optisch)
- Kleine Spiele (Reaktionsspiele)
- Staffeltraining
- Startbeschleunigung
- Kurze Sprünge (beidbeinig Sprünge, einbeinige Einfachsprünge bis zu Fünffachsprüngen)
- Lange Sprünge (Sprunglauf zwischen 30-100 m)
Training der Aktionsschnelligkeit (Steigerung der Bewegungsfrequenz):
- Koordinationstraining (Lauftechnische Übungen/Lauf ABC, wie z.B.: Fußgelenkarbeit, Skippings, Kniehebelauf, Anfersen, etc.)
- Alle Läufe mit fliegendem Start (20 m Anlauf, 30-50 m maximaler Lauf, 10-20 m Auslaufen)
- Tempowechselläufe (Sprintfahrtspiel, ins and outs, Steigerungsläufe)
- Bergabläufe (nur sehr geringes Gefälle)
Training der Schnelligkeitsausdauer:
- Läufe über Strecken, die 10-20% über der Wettkampfdisziplin liegen
- Tempowechselläufe, die 20-100% über der Wettkampfdisziplin liegen
- Berganläufe
- Intensive Intervallmethode (Achtung, hier gelten andere Belastungskomponenten)