Einführung in die Terminologie der Trainingslehre

Peter Pankratz, Oktober 2003

 

 

Die Trainingslehre/-wissenschaft beschäftigt sich mit dem sportlichen Training (T), das als komplexer Handlungsprozess das Ziel verfolgt, auf die sportliche Leistungsentwicklung planmäßig und sachorientiert einzuwirken.

Als komplex wird in diesem Zusammenhang ein Handlungsprozess bezeichnet, der so angelegt ist, dass alle wichtigen Merkmale, die leistungsbestimmend für einen sportlichen Wettkampf (konditionelle, koordinative, taktische, psychische) sind, ausgebildet werden.

Eine planmäßige Handlung ist dann gegeben, wenn ein Trainingsplan erstellt wurde, in dem Trainingsinhalte, Trainingsmethoden und Trainingskontrollen vorhanden sind.

Unter einer sachorientierten Handlung versteht man in diesem Zusammenhang alle Maßnahmen, die auf direktem Weg zu dem angestrebten Ziel (Leistung / Leistungszustand) führen.

In den letzten Jahren haben sich Tendenzen zu einer wissenschaftlichen Ausrichtung des T. entwickelt. Die Trainingswissenschaft ist dabei als Teildisziplin der Sportwissenschaft unterzuordnen. Darüber hinaus leisten verschiedene Wissenschaftsdisziplinen (Medizin, Biomechanik, Psychologie) Beiträge zu trainingswissenschaftlichen Erkenntnissen.

Für ein nach wissenschaftlichen Kriterien angelegtes T. sind schriftlich fixierte Trainingspläne, -ziele und standardisierte Leistungskontrollen (Tests) zur Trainingssteuerung Auswertung und evtl. Korrektur notwendige Voraussetzungen.

Je nach Trainingsziel soll durch T. der Leistungszustand (Ist-Zustand) der Person erhöht, erhalten oder auch reduziert (abtrainieren) werden.

Im Hinblick auf die Zunahme der Bewegungsmangelkrankheiten hat T. weit über den engen Bereich des Hochleistungssports an Bedeutung gewonnen. Es wird im Sinne der Erhaltung, Förderung (präventives T.) und Wiederherstellung (rehabilitatives T.) der körperlichen Leistungsfähigkeit, Fitness / Gesundheit eingesetzt.

Aus medizinisch-biologischer Sicht müssen durch T. Anpassungsreaktionen (Adptationen) im Organismus (durch Störung der Homöostase = Störung des biologischen Gleichgewichts) hervorgerufen werden, mit dem Ziel einen erhöhten Funktionszustand (=höherer Leistungsstand) zu erreichen.

  

 

 

Steuerung und Regelung der Ausdauerleistungsfähigkeit

 

Allgemeines zur Leistungssteuerung:

Trainingssteuerung (Leistungssteuerung) ist die gezielte Abstimmung aller im Hinblick auf das Erreichen des angestrebten Trainingsziels/Leistungszustands notwendigen Maßnahmen.

 

Solche Maßnahmen sind unter anderem:

  

Tests zur Feststellung der Ausdauerleistungsfähigkeit:

Die einfachen sportpraktischen Tests stützen sich auf die Messung der Leistung und des Nachbelastungspulses. Über verschiedene Beschreibungsgrößen (z. B. Leistungsquotient, Ermüdungsindex) wird indirekt Auskunft über das aerobe und teilweise auch anaerobe Leistungsvermögen erteilt.

 

 

Cooper-12-Minuten-Lauftest:

Zweck: Abschätzung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2 max.)

 

Der amerikanische Arzt und Physiologe Kenneth H. Cooper hatte den Auftrag die Auswirkungen von Training auf den menschlichen Körper zu untersuchen. Er beurteilt die körperliche Leistungsfähigkeit eines Menschen danach, in welchem Maße dieser in der Lage ist, Sauerstoff aufzunehmen.

 

Dabei wird die Versuchsperson auf einem Laufband- oder Fahrradergometer bis zur Erschöp-fung belastet. Die ausgeatmete Luft des Probanden wird mit Hilfe einer Maske aufgefangen und einem Spirometer zugeführt, das die Konzentration von Sauerstoff und Kohlendioxid in der Atemluft ermittelt. Cooper führte hunderte von solchen Messungen durch und verglich dabei jedes Mal auch die Laufleistung des Probanden mit seiner VO2 max.

 

An Hand dieser Untersuchungen stellte er fest, dass ein enger Zusammenhang zwischen diesen beiden Größen besteht, d.h. einer bestimmten Laufleistung eine entsprechende VO2 max. zugeordnet werden kann. Auf dieser Grundlage entwickelte er den Cooper-Lauftest.

 

Die von Cooper angegebenen Intervalle der relativer VO2 max. sind sehr breit angelegt, so dass nur eine Groborientierung gegeben ist. Bei Laufleistungen von mehr als 2800m (Männer) ist nach der Orginal-Wertungstabelle eine weitere Differenzierung der Fitnesskategorien und damit eine Schätzung der rel. VO2 max. nicht mehr möglich. Die Fortführung stellt gewissermaßen eine Erweiterung für höhere Ausdauerniveaus dar. Damit ist auch die Beurteilung des GLA-Niveaus im Leistungssport für Nichtausdauer- und Spielsportarten gegeben.

 

Leistungsgruppe (Untrainierte)

Zurückgelegte Entfernung (in m)

O2-Verbrauch (in ml/kg/min)

I = sehr schlecht

< 1600

28,0 oder weniger

II = schlecht

1600-2000

28,1-34

III = mäßig

2000-2400

34,1-42

IV = gut

2400-2800

42,1-52

V = sehr gut

>2800

52,1 oder mehr

 

2900

52,1

 

3000

53.8

 

3100

55,5

Normbereich im Leistungssport für Nichtausdauerdisziplinen

3200

57,2

3300

58,9

3400

60,6

 

Feststellung des Nachbelastungspulses (Erholungspuls: P1, P3, P5)

Zweck: Feststellung der Erholungsfähigkeit und der Grundlagenausdauer (GLA).

Der GLA wird auch Einfluss auf die Erholungszeit nach einer Belastung zugeschrieben. Damit ist mit der Methode der Erholungspulsfrequenzkontrolle ein indirektes Indiz für das Niveau der GLA gegeben. Obwohl wegen beträchtlicher individueller Abweichungen (Höhe von Ruhe- und Maximalpuls, emotionaler Einfluss) eine Ungenauigkeit vorliegt, kann für eine Groborientierung der Puls 100/min herangezogen werden.

Normwerte für Erholungszeiten nach längeren Belastungen sind:

  

Für den Schulsport reicht folgende Beurteilung (5 Minuten nach Belastungsende):

 

Sehr gut

< 105 Hf/min

Gut

105-115 Hf/min

Zufriedenstellend

116-120 Hf/min

Ausreichend

121-130 Hf/min

Schlecht

> 130 Hf/min