Peter Pankratz, März 2004
Ethik
Die Ethik, die "Sittenlehre", ist die praktische Philosophie (geistige Arbeit, die sich um die Ergründung der Welt und des menschlichen Daseins bemüht); sie will (positive) Werte (unter-)suchen, ein Wertbewusstsein wecken.
Eine Aufgabe der Ethik ist es zur moralischen Kommunikation Stellung zu nehmen:
- Demnach ist sie eine Reflexionstheorie der Moral
- Sie ist als Interessen unabhängige Instanz gefragt (Moralbeschreibung).
Sportethik
„Olympischer Geist“ einstmals (Pierre de Coubertin, 1896) das war:
- Amaterielles, leistungsbezogenes, sportliches Handeln im Geiste des "Fair Play".
Die Fairness als ethischer Wertbegriff
"Der Geist des Fair Play trifft den unzerstörbaren Sinn der Jugend aller Völker für menschlichen Anstand"; von Weizäcker, 1985 bei der NOK-Vollversammlung.
Säulen des Naturrechts: - Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit
Sportspezifische Fairnessdeutung
Der Begriff Fairness steht auf dem Boden der Humanität und enthält drei Elemente:
- Anerkennung der Würde des anderen Menschen = impliziert die Wertschätzung des Sportlers als Mensch, drückt also die Haltung des Sportlers aus: Achtung des Gegners und die Wahrung seiner körperlichen und seelischen Unversehrtheit.
- Solidarität = verlangt „Selbstbeherrschung“, Zuwendung zu den besonderen Lebensbedingungen des anderen Menschen, Einsatz für sein Wohlergehen, Verantwortung, Verständnis für: weniger Starke, Hilflose, Unbegabte etc.
- Gerechtigkeit = als Schaffung freier und gleicher Bedingungen für jeden, um von seiner Freiheit Gebrauch zu machen... Problem der Chancengleichheit... Faires Verhalten sollte auch gleichzeitig gerechtes Verhalten sein, das mir und dem Gegner den gleichen Handlungsfreiraum gewährt.
Fair Play – Versuch einer Deutung von Dr. Hans Gabler
- Fair Play ist das unverzichtbare Ethos im Sport.
- Fair Play ist das Bemühen des Einzelnen vom Anderen her zu denken und zu handeln.
- Fair Play bedeutet Verantwortung gegenüber dem Gegner als dem sportlichen Partner. Es bedeutet Respekt zu haben vor dessen physischer und psychischer Unversehrtheit, vor dessen Menschenwürde und Gleichwertigkeit.
- Fair Play als „hinter den Regeln“ stehende sittliche Grundhaltung bedarf der Friedfertigkeit, der Mitmenschlichkeit, der Ehrlichkeit, der Gerechtigkeit, der Toleranz und der Solidarität.
- Fair Play ist das Ziel hinter dem Ziel. Diese Ziel zu erreichen Bedarf der menschlichen Reife, die bereits im Jugendalter angestrebt werden sollte.
- Die Maxime „schneller, höher, stärker“ ohne ethischen Hintergrund gefährdet den Sport. „Menschlichkeit“ muss die Ergänzung dieser Maxime sein. Was wir sind ist noch wichtiger als das, was wir leisten.
- Erst wenn die Frage „Was leistet der Mensch sportlich?“ ergänzt wird durch die Frage „Was leistet der Sport menschlich?“, sind wir auf dem Weg zum Fair Play.
- Im Sport gibt es Sieger und Gewinner. Wer der Versuchung standhält unfair zu sein hat auf jeden Fall gewonnen. Er hat über sich selbst gesiegt... ein auch für sein künftiges Leben bedeutsamer Sieg.
- Zum Fair Play gehört Mut, mitunter viel Mut. Der Mutige verdient Dank und Anerkennung.
- Der Unfaire ist Spielverderber. Er nimmt dem Sport den Charakter des Spiels.
- Fair Play sollte das Gewissen des Sportlers sein. Es mag unbequem sein und dem Sieg um jeden Preis im Wege stehen; andererseits ist der Sieg über das schlechte Gewissen auch ein Sieg über sich selbst.
- Der Weg zum Fair Play ist ein Lernprozess. Fair Play bedarf der Erziehung und Bildung.
- Hilfreich ist das Vorbild. Besonders Spitzensportler sollten deshalb als sportliches Vorbild auch ein Beispiel für Fairness und friedliche Konfliktlösung geben.
- Der Weg vom Sportler zum/r „Sportsmann/Sportsfrau“, der Weg über die bloße Anerkennung der Regeln zum Fair Play ist mühsam.
- Leistungsmanipulationen, insbesondere Doping, ist ein besonders schwerer Verstoß gegen Fair Play.
- Fair Play sollte nicht allein eine Verpflichtung für Aktive, Trainer, Funktionäre etc. sein, sondern ebenso für Zuschauer, Eltern, Erzieher und gewiss auch für die Medien.
- Wer zum Fair Play "ja" sagt muss sich auch bemühen, im Alltag, also in allen Bereichen des Zusammenlebens fair zu sein.
- Letztlich ist Fair Play ein Beitrag zur inneren Freiheit und damit eine wichtige Grundlage des Friedens mit sich selbst.
Konfliktfeld "Fair Play in der Leistungs-, Erfolgsgesellschaft"
Fair Play als ethischer Grundwert im Sport steht mit unseren moralischen, gesellschaftlichen Gegebenheiten im Konflikt. Wir leben in einer Erfolgsgesellschaft; wo Fairness unter dem Aspekt des Erfolgsdenkens verdrängt wird. Nur der erste Platz, die Goldmedaille scheint noch von Bedeutung zu sein... sind einige unserer Medien "Vermittler ohne Moral"?
Ursachen und Gründe für die Verschiebung dieses ethischen Wertes zu Unfairness hin:
"Olympischer Geist" heute, das ist:
- Gewinnorientiertes, leistungsbezogenes muskuläres Handeln unter Einsatz von Gesundheit und Moral
- Erfolgsgesellschaft, wo der "Sieg um jeden Preis" das Wichtigste ist, begleitet von Manipulation, Betrug, Gewalt etc.
- Professionalisierung und damit verbunden Kommerzialisierung, Moral des Marktes und des egoistischen Gewinns
- Ideologien, die ihre Lebensvorstellungen mit Hilfe des Sports transportieren wollen
- Rolle der Medien als "Anheizer" (nationale Darstellung – Nationalgefühl – nationale Schande).